Meine erste Landesdelegiertenkonferenz – zwischen sozialer Gerechtigkeit und digitaler Sicherheit

Zwei Tage voller spannender Begegnungen und neuer Eindrücke. Am 17. und 18. Oktober durfte ich zum ersten Mal als Delegierter des Kreisverbands Pforzheim und Enzkreis an einer Landesdelegiertenkonferenz (LDK) von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg teilnehmen.

Mein Fazit: spannend, fordernd und eine Erfahrung, die Lust auf mehr macht.

Demokratie ist Arbeit. Und das ist gut so.

Wer sich eine Landesdelegiertenkonferenz als gemütliches Treffen politisch Gleichgesinnter vorstellt, wird schnell eines Besseren belehrt. Das Programm war straff, die Tagesordnung umfangreich und die Debatten durchaus anspruchsvoll.

Anträge, Änderungsanträge, Wahlen, Redebeiträge, Gegenrede und Abstimmungen wechselten sich in hoher Geschwindigkeit ab. Das Präsidium führte dabei ruhig und souverän durch die Veranstaltung. Beeindruckend fand ich, wie viele Menschen sich mit großer Sachkenntnis und Leidenschaft in die politische Arbeit einbringen.

Für mich war es die erste LDK und damit auch eine Gelegenheit, die innerparteiliche Demokratie auf Landesebene unmittelbar zu erleben. Politik entsteht eben nicht nur in Parlamenten oder Ministerien. Sie wird auch dort gestaltet, wo Mitglieder miteinander diskutieren, unterschiedliche Positionen vertreten und gemeinsam Entscheidungen treffen.

Dabei wurde mir einmal mehr bewusst: Demokratie ist manchmal anstrengend, gelegentlich kompliziert und selten schnell. Aber genau diese Auseinandersetzung gehört zu ihren Stärken.

Soziale Gerechtigkeit gehört ins Zentrum grüner Politik

Besonders beschäftigt hat mich die soziale Dimension unserer Politik.

Wir Grünen haben in den vergangenen Jahrzehnten wichtige gesellschaftliche Fragen vorangebracht: den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen, die Gleichberechtigung der Geschlechter, Generationengerechtigkeit und die Rechte von Minderheiten.

Doch wir dürfen dabei die Frage sozialer Gerechtigkeit nicht aus den Augen verlieren: Wie verteilen sich Wohlstand, Chancen und Lasten in unserer Gesellschaft?

Winfried Hermann hat diesen Gedanken in seinem Redebeitrag auf den Punkt gebracht:

„Wir sollten diese soziale Dimension von Politik nicht vernachlässigen.“

Er erinnerte daran, dass es neben Generationengerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit auch ein Verteilungsproblem in unserer Republik gibt. Und dass wir uns nicht scheuen sollten, über die bestehenden Regelungen zur Erbschaft- und Vermögensteuer zu sprechen.

Dem stimme ich ausdrücklich zu.

Es geht dabei nicht darum, wirtschaftlichen Erfolg schlechtzureden oder Menschen gegeneinander auszuspielen. Es geht um die Frage, welchen Beitrag diejenigen leisten können, die besonders viel besitzen, und wie wir dafür sorgen, dass alle Menschen faire Chancen erhalten.

Wer arbeitet, muss von seiner Arbeit leben können. Wer Kinder großzieht, darf dadurch nicht dauerhaft wirtschaftlich benachteiligt werden. Und wer aus einem Elternhaus ohne großes Vermögen kommt, sollte trotzdem die Möglichkeit haben, sich etwas aufzubauen.

Gerade in einem wirtschaftlich starken Land wie Baden-Württemberg dürfen wir uns nicht damit zufriedengeben, dass die Chancen eines Menschen noch immer so stark von seiner Herkunft abhängen.

Ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit sind für mich keine konkurrierenden Ziele. Sie gehören zusammen.

Denn gesellschaftliche Veränderungen werden nur dann dauerhaft gelingen, wenn Menschen das Gefühl haben, dass es dabei gerecht zugeht.

Cybersecurity ist Gesellschaftspolitik

Ein zweites Thema, das mir persönlich besonders am Herzen liegt, ist die Cybersicherheit.

Beruflich beschäftige ich mich täglich mit IT-Infrastrukturen, Sicherheitsrisiken und der Frage, wie wir komplexe technische Systeme zuverlässig betreiben können.

Deshalb betrachte ich die zunehmende Digitalisierung nicht nur als wirtschaftliche Chance, sondern auch als gesellschaftliche Verantwortung.

Unsere Krankenhäuser, Energieversorger, Verwaltungen und Unternehmen sind längst von digitalen Systemen abhängig. Ein erfolgreicher Cyberangriff kann heute weit mehr verursachen als einen finanziellen Schaden. Er kann die medizinische Versorgung beeinträchtigen, kommunale Dienstleistungen lahmlegen oder Arbeitsplätze gefährden.

Cybersicherheit ist deshalb längst kein reines IT-Thema mehr. Sie ist eine Frage der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Dabei sehe ich drei wesentliche Herausforderungen.

Erstens müssen wir unsere kritischen Infrastrukturen widerstandsfähiger machen. Sicherheit darf nicht erst dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn etwas schiefgegangen ist.

Zweitens brauchen gerade kleine und mittelständische Unternehmen Unterstützung. Sie tragen einen erheblichen Teil unserer Wirtschaft, verfügen aber häufig nicht über die personellen und finanziellen Ressourcen großer Konzerne.

Und drittens müssen wir digitale Souveränität ernst nehmen. Wer seine technologische Zukunft gestalten möchte, muss verstehen, von welchen Systemen, Herstellern und Dienstleistern er abhängig ist.

Für mich gehört dazu auch eine politische Debatte über die Verantwortung von Herstellern, über sichere digitale Produkte und über die Rolle des Staates.

Sicherheit entsteht nicht allein durch zusätzliche Vorschriften. Sie braucht Kompetenz, klare Verantwortlichkeiten und Rahmenbedingungen, die in der Praxis funktionieren.

Ich möchte meine berufliche Erfahrung künftig noch stärker in diese politische Diskussion einbringen. Gerade an der Schnittstelle zwischen Technologie, Wirtschaft und gesellschaftlicher Verantwortung sehe ich ein wichtiges Feld für grüne Politik.

Politik lebt auch von persönlichen Begegnungen

Bei aller inhaltlichen Arbeit kam für meinen Geschmack eines etwas zu kurz: das Netzwerken.

Ich hätte mir gewünscht, mehr Zeit zu haben, um mit Menschen aus anderen Kreisverbänden ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Natürlich gab es Begegnungen und gute Gespräche. Aber zwischen den vielen Tagesordnungspunkten, Abstimmungen und organisatorischen Abläufen blieb dafür weniger Raum, als ich mir erhofft hatte.

Dabei halte ich gerade diesen persönlichen Austausch für ausgesprochen wertvoll.

Politische Zusammenarbeit entsteht nicht allein durch gemeinsame Programme. Sie lebt von Vertrauen, gegenseitigem Verständnis und davon, dass Menschen einander kennen.

Besonders für jemanden wie mich, der sich auf Landesebene noch stärker vernetzen möchte, sind solche Veranstaltungen eine wichtige Gelegenheit.

Vielleicht ist das auch eine Erkenntnis meiner ersten LDK: Beim nächsten Mal möchte ich mir bewusster Zeit für Begegnungen nehmen und selbst aktiver auf Andere zugehen.

Mein Fazit: Anstrengend, inspirierend und unbedingt wieder

Nach zwei intensiven Tagen bin ich mit vielen Eindrücken nach Hause gefahren.

Die Konferenz hat mir gezeigt, wie vielfältig unsere Partei ist, wie viel Engagement in ihr steckt und wie anspruchsvoll es sein kann, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen.

Sie hat mich aber auch darin bestärkt, dass ich mich politisch weiter einbringen möchte.

Besonders die Themen soziale Gerechtigkeit und Cybersicherheit möchte ich weiterverfolgen. Das eine beschäftigt mich aus gesellschaftlicher Überzeugung, das andere auch aufgrund meiner beruflichen Erfahrung. Beide verbindet für mich eine grundlegende Frage:

Wie gestalten wir eine Gesellschaft, in der Menschen sicher, selbstbestimmt und mit fairen Chancen leben können?

Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Aber es lohnt sich, gemeinsam daran zu arbeiten.

Meine erste Landesdelegiertenkonferenz war spannend, fordernd und gelegentlich auch etwas überwältigend. Vor allem aber war sie eine gute Erfahrung.

Ich freue mich auf das nächste Mal. Und dann hoffentlich mit etwas mehr Zeit für einen Kaffee und ein gutes Gespräch.

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